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Pressemitteilungen

Die unbekannte Gefahr: Kombinierte Virusinfektionen nach einer Nierentransplantation

Forscher zeigen die Relevanz von kombinierten Infektionen mit BK-Virus und Cytomegalovirus

6. August 2018
Bei Transplantationen muss das Immunsystem durch Medikamente unterdrückt werden, damit das Transplantat nicht abgestoßen wird. Das führt allerdings zu einer Schwächung der Abwehr von Viren, die häufig ernsthafte Krankheiten verursachen können. In der Vergangenheit konnten Forscher kombinierte Infektionen zweier Viren wiederholt beobachten – ihre Auswirkungen auf den Organismus und insbesondere auf die Transplantatfunktion waren jedoch unbekannt. In ihrem nun im renommierten Fachjournal EBioMedicine veröffentlichten Forschungsbericht liefern Wissenschaftler des Berlin-Brandenburger Centrums für Regenerative Therapien (BCRT), der Ruhr-Universität Bochum (RUB), der Technischen Universität Dresden (TU) und der Humboldt-Universität zu Berlin (HU) Belege für die Häufigkeit und Risiken der kombinierten Infektionen.

In ihrer Studie analysierten die Wissenschaftler zu acht vordefinierten Zeitpunkten im ersten Jahr nach einer Nierentransplantation systematisch den klinischen Verlauf der drei für die Nierentransplantation relevantesten Viren: BK-Virus, Cytomegalovirus und Epstein-Barr-Virus. Mit fast zehntausend Viruslastmessungen an 540 Patienten aus 18 deutschen Transplantationszentren ist diese Studie einer der größten und systematischsten Studien zu Virus-Infektionen nach Nierentransplantation. „Wir konnten zeigen, dass bereits moderate Anstiege der Cytomegalovirus- und BK-Virus-Last eine spürbare Störung der Nierentransplantatfunktion verursachen können, wenn diese kombiniert auftreten“, erklärt Erstautor Blázquez Navarro. Der Doktorand forscht seit vier Jahren im Forschungsfeld Immunsystem des BCRT. Dafür spräche auch, so Blázquez Navarro, die festgestellte signifikante Assoziation zwischen BK-Virus und Cytomegalovirus: „Bei Patienten, die unter einer BK-Virus-Infektion leiden, muss man häufig auch mit Cytomegalovirus-Infektionen rechnen, und umgekehrt“.

Das Aufschlüsseln der Interaktionen zwischen Viren untereinander und mit dem Transplantat erfordert die Anwendung systemimmunologischer Ansätze. „Systemimmunologische Strategien sind der Motor der Präzisionsmedizin, die letztendlich zu verbesserter Funktion und Erhalt des Transplantats führt“, so Dr. Michal Or-Guil, Leiterin der Forschungsgruppe Systemimmunologie an der HU Berlin.

Die Ergebnisse der Analyse zeigen auch, dass das bis jetzt unterschätzte BK-Virus die relevanteste Infektion im ersten Jahr nach einer Nierentransplantation ist, da sie die höchste Prävalenz, die höchsten Viruslasten und die niedrigsten Heilungsraten aufweist. „Unsere Daten bestätigen, dass das BK-Virus ein wichtiger Krankheitserreger ist, der unbedingt berücksichtigt werden sollte, um die Qualität der Transplantationsprogramme zu verbessern“, fasst die Leiterin der Forschungsgruppe Transplantationsvirologie und Leiterin des Centrums für Translationale Medizin an der RUB, Professor Dr. Nina Babel, zusammen.

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Kontakt:

Arturo Blázquez Navarro
BCRT
Charité – Universitätsmedizin Berlin
E-Mail: arturo.blázquez-navarro@charite.de